Arezzo
Sansepolcro
Monterchi
Arezzo
Legende vom Wahren Kreuz, Bacci-Kapelle, Basilika San Francesco
Der Zyklus der Legende vom Wahren Kreuz — der einer im Jahr 2000 abgeschlossenen sorgfältigen Restaurierung durch die Oberintendantur und mit Finanzierung durch die Banca Etruria e del Lazio unterworfen wurde - ist zweifellos einer der außergewöhnlichsten Zyklen der westlichen Kunst.
Wahrscheinlich wurde Piero della Francesca von der Familie Bacci (die das Patronat mit dem Bestattungsrecht erlangt hatte) mit den Fresken für die Ausgestaltung der Kapelle in der Basilika San Francesco in Arezzo beauftragt, um Bicci di Lorenzo zu ersetzen, der 1452 gestorben war und sein Werk unvollendet gelassen hatte.
Piero della Francesca wird daher mit der Aufgabe betraut, den Chor der Kapelle mit Fresken zu versehen, die Szenen aus der Kreuzeslegende darstellen – ein Thema, das den Franziskanern besonders am Herzen lag. Die legendäre Geschichte wurde vom Bischof Jacopo da Varagine überarbeitet und 1265 im Rahmen der Legenda Aurea bekannt gemacht.
Sofort nach dem Tod von Bicci beginnt Piero den Zyklus zu planen und bereitet die Kartons mit extremer Genauigkeit vor, wobei er bereits in dieser ersten Phase die präzise Verteilung der Farben, der Ausführungstechnik und des zu verwendenden Materials beachtet.
Das vorherrschende Thema ist der Triumph des Kreuzes, das seit dem Tod Adams den Menschen zur Rettung führt, und Piero wählt in Übereinstimmung mit den Auftraggebern einige Episoden aus und gestaltet sie aus, während er andere ausschließt oder auf ein Mindestmaß begrenzt. Er bringt hinsichtlich der traditionellen Ikonografie viele Innovationen ein und fügt zwei im Allgemeinen nicht dargestellte Episoden hinzu:
Die Begegnung zwischen Salomon und der Königin von Saba und die Verkündigung.
Die Anordnung der Szenen auf den Wänden erscheint spärlich, anscheinend unlogisch und irrational, weil sie keine chronologische Erzählreihenfolge einhält, wie man es erwarten würde: Piero konzipiert die Erzählung nach Themen, die untereinander verknüpft sind und bereichert das heilige Thema durch die Geschichte von der Erlösung – vom Warten auf den Messias bis zum Anbruch des Christentums – mit genauen Bezügen und politisch-religiösen Ereignissen, in die die Kirche einbezogen war – ein Aufruf, auf das Vordringen der Türken mit einem Kreuzzug, der die Einheit und Überlegenheit wieder herstellen würde, zu reagieren.
Die gestalterische Aufteilung, die der Künstler wählt, berücksichtigt auch die Räumlichkeit der Kapelle, die Piero in drei Register unterteilt: Die Lünetten oben und die zwei rechteckigen Abschnitte in den beiden unteren Bereichen. An den Seitenwänden ist die Symmetrie perfekt: Im oberen Teil liegen sich zwei im Freien spielende Episoden gegenüber: Der Tod Adams und die Verherrlichung des Kreuzes. In der Mitte befinden sich die beiden am Hof spielenden Szenen Die Königin von Saba kniet vor der Brücke über den Fluss Siloe und die Begegnung mit Salomon und Die Auffindung und Prüfung des Wahren Kreuzes und unten die beiden Schlachten Der Sieg Konstantins über Maxentius und Die Schlacht zwischen Heraklius und Chosroes. An der Mittelwand wird die Erzählung vervollständigt: Traum Konstantins, Verkündigung, Der Prophet Jeremias und der Prophet Jesaja, während die Kartons für die Szenen Die Anbetung des Heiligen Holzes und Die Folter des Juden sicher Piero zuzuschreiben sind, jedoch wurde als ausführende Hand Giovanni Piamonte identifiziert.
Arezzo
Hl. Maria Magdalena, Dom
Das Werk befindet sich neben der Tür der Sakristei des Doms von Arezzo fast versteckt hinter dem monumentalen Kenotaph des Bischofs Tarlati aus dem vierzehnten Jahrhundert, der hier 1783 aufgestellt wurde. Heute ist die hohe Qualität des Werkes dank der sorgfältigen Restaurierung noch deutlicher zu sehen: Piero hat hier eine der faszinierendsten und echtesten weiblichen Figuren gemalt und somit wieder einmal seine Modernität und Natürlichkeit unter Beweis gestellt, die von dem gelösten, auf die Schulter fallenden feinen Haar und dem leuchtenden Rot des Mantels unterstrichen wird. In der Hand hält die Heilige ein Kristallfläschchen, an dem die Dreidimensionalität und die perspektivische Wirkung deutlich zu erkennen sind und die Brechung des Lichtes moduliert wird – ein geometrischer Festkörper, der deutlich an den Baldachin der Madonna del Parto erinnert.
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Monterchi
Madonna del Parto, Museum Madonna del Parto
In der kleinen Kirche Santa Maria a Momentana, abgeschieden inmitten von Grün an den Hängen des Hügels, an dem sich der Ort Monterchi erhebt, und damit an einem der pittoreskesten Orte des Val Tiberina gelegen, malte Piero della Francesca eines seiner bekanntesten und am meisten bewunderten Meisterwerke – die Madonna del Parto, deren außerordentlicher Zauber Besucher aus aller Welt anlockt.
Die Gründe für die Beauftragung Piero della Francescas, der die Szene in nur sieben Arbeitstagen malte, und die der Auswahl des Themas, das in der italienischen Ikonografie ungewöhnlich, dafür aber um so häufiger in der spanischen ist, sind nicht klar.
Das Fresko, das sich jetzt im Museum Madonna del Parto befindet, stellt die heilige Jungfrau dar, die sich der Masse der Gläubigen in der Mitte eines wertvollen Zeltes zeigt, das mit Fehwerk ausgekleidet ist. Sie wirkt wie eine Erscheinung, die jedoch lebendig und real ist: Sie ist eine Frau wie jede andere, schwanger, blutjung und in Erwartung ihrer ungeborenen Leibesfrucht, die ihr Leben verändern wird, aber sie ist auch von Gott ausgewählt als Instrument für die Erlösung. Sie ist zu drei Vierteln erfasst in einer königlichen, aber auch sehr realistischen Pose: Mit einer meisterhaften Sorgfalt hat Piero ihren Zustand in den Vordergrund gerückt und die ganz natürliche Geste, mit der sie die Hand auf ihren Bauch legt, dargestellt, während die andere an ihre Hüfte gelegte Hand ihren schwer gewordenen Körper hervorhebt.
Der außergewöhnliche Realismus dieser Figur geht soweit, dass der Künstler darstellt, wie es mit dem Anschwellen ihres Körpers notwendig geworden ist, die Bänder ihres Kleides weiter zu binden, so dass man das blendende Weiß ihres Hemdes sieht. Die beiden Engel, die mit ihren intensiven Blicken den Besucher zur Betrachtung der schwangeren Madonna einladen, sind unterdessen unter Verwendung desselben umgekehrten Kartons gemalt worden und auch in den Farben – in der Übereinstimmungen von braun und grün – symmetrisch.
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Sansepolcro
Polyptychon der Barmherzigkeit, Stadtmuseum
Das Museum bewahrt bedeutende Kunstwerke auf: Fresken, Gemälde, Terrakotten im Stil der Della Robbia, Goldschmiedearbeiten, religiösen Wandschmuck und archäologische Fundstücke. Außer den Meisterwerken Piero della Francescas wie dem Polyptychon der Barmherzigkeit, dem Hl. Julianus, dem Hl. Ludwig und der Auferstehung Christi gehören wertvolle Werke von Matteo di Giovanni, Pontormo, Raffaellino del Colle und Santi di Tito zu seinen Schätzen.
Mit dem Polyptychon wurde Piero 1445 von der Bruderschaft der Barmherzigen Brüder von Sansepolcro beauftragt. Dieser Auftrag sollte lange Verhandlungen mit sich bringen, die zu einem Vertrag mit besonders exakten und verpflichtenden Klauseln für den Künstler führten. Im Vertrag wird das zu malende Thema nicht genau genannt, aber es wird verlangt, dass das Modell von der existierenden Tafel, die man offensichtlich zu ersetzen beabsichtigte, wiederholt würde. Außerdem musste der Künstler sich dazu verpflichten, für weitere zehn Jahre nach der Übergabe jegliche Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten, die notwendig werden würden, durchzuführen.
Wie bekannt ist, wurde der Vertrag besonders hinsichtlich der Ausführungszeiten, die sich weit über die Frist, die für 1448 gesetzt war, ausdehnten, ganz und gar nicht eingehalten. Grund dafür waren die andauernden Unterbrechungen wegen Verpflichtungen Pieros in Arezzo und an den reichsten, kultiviertesten und auserlesensten Höfen Italiens. Es dauerte daher mehr als fünfzehn Jahre bis das Polyptychon fertig gestellt wurde.
Die Ikonografie folgt einem traditionell sehr festgeschriebenen Schema: Die Madonna schützt eine Gruppe Gläubiger, unter denen der Künstler in einem Selbstbildnis erkennbar ist - er ist der erste rechts neben der Jungfrau. Trotz der Nutzung eines konventionellen goldenen Hintergrundes, gelingt es Piero, den Figuren eine erhebliche Plastizität zu verleihen. Der Pose der Jungfrau, die vom weiten Faltenwurf des schwarzen Mantels ausgedehnt wird, steht als Gegenpol die minutiöse Darstellung der anatomischen Details gegenüber.
Wahrscheinlich ist eine der ersten gemalten Tafeln die auf der linken Seite mit dem Hl. Sebastian und Johannes dem Täufer aus zwei miteinander verbundenen Achsen besteht: Der Hl. Sebastian scheint das Ergebnis eines allerersten Annäherungsversuchs Pieros an die römische Skulptur zu sein, während man Johannes den Täufer als die von Piero gemalte Figur betrachten kann, die denen Massaccios am meisten angelehnt ist. Trotzdem ist das offensichtlichste Ergebnis eines direkten und lange durchdachten Studiums der Kunst von Massaccio die wunderbare, berührende Kreuzigung, die mit der heute im Museum von Capodimonte aufbewahrten zu vergleichen ist.
Folgende Paneelen bilden das Polyptychon und sind bis heute erhalten: Madonna della Misericordia, Hl. Sebastian, Johannes der Täufer, Hl. Andreas, Hl. Bernardin von Siena, Kreuzigung, Hl. Bernhard von Norcia, Verkündigungsengel, Verkündigungsmadonna, Hl. Franziskus von Assisi. Die Predellen erscheinen jedoch klar als das Werk eines eher mittelmäßigen Künstlers, der in Giuliano Amedei identifizierte wurde, obwohl der ein glänzender Handschriftenmaler war. Die drei Lisenen mit drei Heiligen sind dagegen von höherer Qualität und wahrscheinlich einem Mitarbeiter Piero della Francescas zuzuschreiben.
Sansepolcro
Auferstehung, Stadtmuseum
Das Fresko wurde wahrscheinlich um 1467-68 im Audienzsaal des Palazzo dei Conservatori in Sansepolcro, der heute das Stadtmuseum beherbergt, ausgeführt.
Es ist als eines der bedeutendsten Meisterwerke Piero della Francescas zu betrachten – ein sinnbildliches Werk und Symbol seiner Stadt, deren Gründung der Legende nach auf den Kult um die Reliquien aus dem Heiligen Grab, die von den beiden Pilgern Ägidius und Arcano mitgebracht wurden, zurückgeht.
Im Zeichen des wiederauferstandenen Christus fand die Stadt, die seit wenigen Jahren (1441) der Herrschaft Florenz’ unterworfen war, 1456 ihre Identität und Würde wieder, als die Florentiner beschlossen, den Palast den Konservatoren und den beiden Räten wiederzugeben, damit diese ihren verlorenen Amtscharakter wiedererlangen. Daraufhin begannen die Restaurierungsarbeiten, in die wahrscheinlich auch die Ausführung des Werkes eingeschlossen war.
In der Darstellung erhebt sich Christus in einer starken und majestätischen Pose, und was an ihm vor allem beeindruckt, ist der Blick: eine Festigkeit, die nicht transzendente Loslösung beinhaltet, sondern im Gegenteil mit der starken menschlichen Würde des Antlitzes die göttliche „Präsenz“ ausdrückt. Links ist eine nackte, wüste Winterlandschaft gemalt, rechts hingegen wird die Landschaft frühlingshaft, angenehm, heiter. Zu Füßen des Christus schlafen die Soldaten, die mit ihm eine Pyramide bilden, deren Basis sie sind und den Raum in zwei getrennte Ebenen begrenzen (der Soldat unter dem Banner wird als Selbstbildnis Pieros angesehen).
Sansepolcro
Hl. Julianus, Stadtmuseum
Das Fresko stellt das Gesicht eines jungen Mannes mit Heiligenschein dar, der als Hl. Julianus identifiziert wurde. Der Heilige ist vor dem Hintergrund eines antiken grünen Marmors und eingeschlossen in einen Rahmen in einen eleganten amarantroten Samtmantel gehüllt und richtet den Blick nach links. Das Fresko wurde am 23. Dezember 1954 in der alten Kirche Sant’Agostino, die später zu Santa Chiara wurde, wiedergefunden.
Hier ist Pieros Stil so absolut einmalig und reif, dass seine Urheberschaft unverwechselbar ist und es auch erlaubt zu beobachten, wie er die selben Physiognomietypen wiederholt, um jeweils Heiligen, Engeln oder einfachen Menschen Ausdruck zu verleihen. Es sind Figuren des Absoluten und ihr Blick, der selten den des Betrachters trifft, lässt sie in ihrer Körperlichkeit und materiellen geometrischen Schwere entfernt und transzendental erscheinen.
Sansepolcro
Hl. Ludwig, Stadtmuseum
Als städtisches Zeugnis von fundamentaler Bedeutung und Beispiel für das Schaffen Pieros in seiner Heimatstadt ist das vom Palazzo Pretorio abgelöste Fresko das einzige Fragment eines inzwischen verloren gegangenen Werkes.
Stadtplan von Sansepolcro (zum Vergrößern auf das Bild klicken)