Piero della Francesca e le corti italiane - 31 marzo 22 luglio 2007
ItalianoInglese Text vergrössernNormaler Text
FrancaisDeutsch
Ausstellung
Piero auf heimischem Boden
Piero della Francesca
Gebiet
Informationen und Reservierungen
Förderer und Sponsoren
Pressebereich
Informationen zum Werk

Biografie

Piero della Francesca, dessen richtiger Name Piero di Benedetto de’ Franceschi war, wurde wahrscheinlich 1412 in Borgo San Sepolcro geboren, das heute Sansepolcro heißt und an der Grenze zwischen der Toskana und Umbrien im oberen Tibertal liegt. Er war Sohn einer Kaufmannsfamilie, die mit Lederwaren und Wolle handelte und später mit „Färber-Waid“ (isatis tinctoria), auf das die Republik Florenz ein Monopol errichtet hatte.
Als Erstgeborener hätte Piero nach den Erwartungen seiner Eltern in die väterlichen Fußstapfen treten sollen, aber früh erwacht in dem jungen Mann die künstlerische Berufung.
Piero erlernt die Anfangsgründe der Kunst in seiner Heimatstadt, wo er Schüler der Werkstatt des einzigen prominenten Künstlers der Stadt war: Antonio di Anghiari. Es existiert in der Tat ein Papier vom 21. Oktober 1436 über die Zahlung für einen Auftrag über päpstliche Wappen und Flaggen für die Tore und Türme von Borgo San Sepolcro, in dem neben Antonio auch Piero della Francesca auftaucht.
Jedoch ist in Bezug auf die ersten Ausbildungsjahre in dem toskanischen Ort auch an die mathematischen Studien zu erinnern, die eine Grundlage der Malerlehre Piero della Francescas werden. Er wurde sicherlich – wie alle Kaufmannssöhne – zu einem „Rechenmeister“ in die Lehre geschickt, das heißt einem Lehrer für Arithmetik, Algebra und Geometrie, um in die kaufmännische Buchhaltung eingeführt zu werden.
Seine Malerausbildung erfolgt auf traditionelle Art in einer immer noch provinziellen Umgebung, die wenig stimulierend ist für einen talentierten jungen Mann und Kaufmannssohn mit einer ausgeprägten Neigung zum Reisen, was ihn auch sehr bald von zu Hause wegführen wird.
Der 12. September 1439 wird zur einem Meilenstein in der Biografie der Anfänge Piero della Francescas und damit grundlegend für die Geschichte der Renaissance: Es ist der Tag der Urkunde, die die Anwesenheit Pieros in Florenz belegt, wo er mit Domenico Veneziano bei der Ausführung der Fresken in der Hauptkapelle der Kirche Sant’Egidio mit der Darstellung des „Lebens der Jungfrau“ zusammenarbeitet, die heute leider verloren sind und dazu beigetragen hätten, die Ausbildungsphase Pieros zu verstehen.
Vielleicht auch war Florenz nicht das erste Mal, dass Piero als Schüler mit Domenico Veneziano zusammenarbeitete. Wahrscheinlich hatten die beiden zuvor in Perugia gearbeitet, wo Veneziano um 1438 beauftragt war, ein „Zimmer im Hause der Baglioni“, der mächtigen Herren der Stadt, auszumalen, wie Vasari schreibt. Leider sind auch diese Fresken verloren gegangen.
In der Florentiner Periode, in der das kulturelle Klima der Stadt gärt, kann sich der junge Piero direkt mit den bedeutendsten Künstlern jener Epoche messen und Erfahrungen und theoretische Kenntnisse erwerben, die in der Herausbildung seiner hervorragenden Persönlichkeit als Maler und in der humanistischen Kultur einen so großen Platz einnahmen. Außerdem sei nicht zu vergessen, dass in der Stadt 1439 das Konzil abgehalten wurde, das den christlichen Orient und Okzident zum Vergleich über die Heilige Dreieinigkeit zusammengebracht hatte. Die Vertreter der griechischen Welt spazierten durch die Straßen der Stadt und brachten eine Reihe an Anregungen, Bräuchen und Farben mit, die sich für immer im Gedächtnis von Piero einprägten. Bei dieser Gelegenheit konnte Piero Papst Eugen IV. und die Humanisten des päpstlichen Hofes kennen lernen, darunter Leon Battista Alberti.
1442 ist der Künstler erneut in Sansepolcro und taucht unter den wählbaren Bürgern für die städtischen Ämter auf. In der Zwischenzeit gelangt seine Stadt unter die Herrschaft Florenz’ - sie wird 1441 von Papst Eugen IV., auf dem die Schulden aus den Kosten des Konzils lasten, abgetreten. 1445 erhält er den Auftrag für das Polyptychon der Barmherzigkeit. 1450 signiert und datiert er den Heiligen Hieronymus von Berlin und schreibt um dieses Datum herum den Trattato d’Abaco.
Von diesem Zeitpunkt an entwickelt sich seine Karriere zwischen Sansepolcro, Arezzo und den bedeutendsten Höfen zwischen der Adria und Umbrien, wo er unter den neuen Herren, die auf der Suche nach einer auch kulturellen Legitimierung ihrer Eroberungen sind, intelligente Mäzene finden wird. Außerdem werden die verlängerten Aufenthalte Pieros außerhalb des Ortes der Entstehung neuer örtlicher Schulen, die unabhängig von Florentiner Tonart sind, einen grundlegenden Impuls geben.
Nachdem er sich in Pesaro und Ancona aufgehalten hat – in letzteres kehrt er 1450 auch zur Ausführung der Fresken in der Cappella Ferretti in San Francesco zurück – wird seine Anwesenheit von Vasari in Loreto belegt, wo er beauftragt wird, ein Fresko für die Sakristei der Kirche Santa Maria zu schaffen. Die Pestwelle, die die Marken zwischen 1447 und 1452 heimsucht, zwingt Piero della Francesca dazu, zu fliehen und die Arbeit unvollendet zurückzulassen. Vasari beschreibt auch andere Arbeiten von Piero in San Ciriaco – ebenfalls in Ancona. Der Aufenthalt Pieros in den Marken war, unabhängig von seinen Aufträgen in Urbino, in jedem Fall mehr als einmalig, was seinen tiefgehenden und umfangreichen Einfluss erklärt, den er auf die Malerei dieser Region ausgeübt hat.
Er zieht dann nach Ferrara an den Hof von Lionello d’Este, der verstarb und die Macht seinem Bruder Borso hinterließ. Die Zerstörung der von Piero della Francesca am Hofe derer d’Este und in Sant’Andrea in Ferrara ausgeführten Fresken war unter vielen einer der schmerzlichsten Verluste seiner Werke.
Am Hofe von Ferrara fand Piero viele Anregungen für seine Kunst, da dieser Hof, wo der Humanist Guarino da Verona ansässig war, ein Modellbeispiel für die Kultur des Humanismus darstellte. Außer, dass er an lebhaften Disputen über künstlerische Themen teilnahm, konnte Piero sicherlich den vom Herzog Lionello zusammengetragenen Schatz an Gemmen und Münzen studieren und zum weltlichen Programm des Studiolo von Belfiore beitragen. In diesem Zeitraum ist in Ferrara ein Werk von Rogier Van der Weyden belegt. Von diesem großartigen flämischen Künstler kann Piero außer der Nutzung von Ölmalerei die Aufmerksamkeit für Details lernen. Piero reist von Ferrara im Jahr 1451 bald wieder ab und begibt sich nach Rimini, dem Herrschaftsgebiet der Malatesta, wo er beauftragt wird, im Tempio Malatestiano das Votivfresko von Sigismondo Pandolfo Malatesta zu schaffen. In Rimini nimmt Piero an der humanistischen Erneuerung des Tempels teil, die von Leon Battista Alberti - Humanist und Künstler, der in Florenz bedeutende architektonische Werke hinterlässt und die Höfe von Mantua und Urbino tiefgehend beeinflusst - geplant wird.
Zeitnah zum Fresko von Rimini erscheint der Zyklus mit der Legende vom Wahren Kreuz in San Francesco in Arezzo, der nach 1452 – dem Todesjahr von Bicci di Lorenzo, bei dem die illustre Familie der Bacci aus Arezzo die Ausschmückung des Chors der Kapelle in Auftrag gegeben hatte – begonnen wird. Piero führt die Arbeit, die für einen Teil des Gewölbes zum großen Teil schon fertig ist, weiter.
1455 ist Piero in Rom, um für Nikolaus V. Fresken im Vatikan auszuführen. Er ist noch für Pius II. im Vatikanpalast an der Arbeit, wie eine Zahlung belegt. Leider wurden alle diese Vatikanfresken zerstört, um denen von Raffael Platz zu machen. In Rom trifft Piero Francesco del Borgo, Architekt und Liebhaber mathematischer Studien, der unter anderem für die Modernisierung der Basilika Santa Maria Maggiore verantwortlich ist, wo von Piero das Gewölbe der Capella di San Michele bleibt. In Rom wird Piero dazu angeregt, theoretische Studien zur Perspektive anzustellen, und er kopiert und gestaltet das Bildnis von Archimedes auf der Spirale und beginnt die Abhandlung der Prospectiva Pingendi.
Man nimmt an, dass es zuvor während des Jubeljahres 1450 eine weitere Romreise Pieros gegeben hat. Diese Reise ist nicht dokumentiert, aber sie ist hinsichtlich der römischen Elemente in seinen Werken vom Anfang der 50er Jahre, der Taufe Christi und der ersten Phase des Zyklus in San Francesco in Arezzo wahrscheinlich.
1467 ist Piero in Sansepolcro, wo er neue öffentliche Ämter erhält. Im Jahr darauf flieht er nach Bastia, um sich der Pest zu entziehen und malt hier ein Banner.
1469 ist die Anwesenheit von Piero della Francesca in Urbino am Hofe von Federico da Montefeltro belegt, wo er mit der Vollendung einer Altartafel für die Bruderschaft Corpus Domini beauftragt wird, für die Paolo Uccello die Predelle angefertigt hatte. Der nächste Aufenthalt in Urbino ist im Zeitraum zwischen 1474 und 1478 anzusetzen: An einem immer holländischer werdenden Hof setzt Piero die Alchimie des Gleichgewichtes zwischen seinem Sinn für die Form und dem Einfluss des Neuen fort. Die beiden Bildnisse der Herzöge von Montefeltro gehören zu den bekanntesten Werken dieser Periode und stellen eine Synthese in einer einzigen genialen Arbeitsweise zusammenströmender  Tendenzen dar. Auf diese Schaffensperiode in Urbino gehen die Pala di Brera und die Madonna di Senigallia zurück.
1478 kehrt er nach Sansepolcro zurück, wo er von den Barmherzigen Brüdern eine Zahlung für ein Madonnenfresko an der Wand in der Kirche und im Spital erhält.
Der Maler ist noch bis 1482 in Sansepolcro, wo er höchstes Ansehen genießt und wichtige Ämter innehat. Die Unterlagen sprechen auch von guten finanziellen Bedingungen.
Am 22. April zieht er nach Rimini – die Gründe für diese Wahl sind nicht bekannt – wo er ein Haus mit Garten und Brunnen anmietet.
Die letzten Jahre Pieros sehen seinen immer weiteren Rückzug aus dem öffentlichen Leben. Er konzentriert sich vor allem auf die endgültige Fassung seiner Abhandlung über die regelmäßigen Körper, die 1485 fertig gestellt wird. In seinem letzten Lebensabschnitt wollte er die Regeln der Perspektive und der Mathematik zusammenstellen, die für nachfolgende Künstler als Leitfaden dienen sollten, und in der Tat schafft er zwei grundlegende Werke: De Prospectiva Pingendi, das wahrscheinlich dem Herzog Federico da Montefeltro gewidmet ist, und Libellus de quinque corporibus regularibus, das kürzlich im Urbiner Kodex 263 in der Vatikanischen Bibliothek wiedergefunden wurde.
Sein Ende als Künstler ist teilweise mit Sehproblemen verbunden, die bis zur Blindheit führen werden. Trotzdem verfasst er noch 1487 persönlich sein Testament.
Piero della Francesca stirbt am 12. Oktober 1492, an dem Tag, an dem Christoph Kolumbus Amerika entdeckt.