DIE HÖFE PIEROS
Piero della Francesca beginnt schon früh zu reisen und verbringt während seines ganzen Lebens lange Zeit an den bedeutendsten Höfen in Mittelitalien und an der Adria.
Perugia: Die Baglioni und Domenico Veneziano
Perugia und der Hof der Baglioni eröffnen die Parade der Zentren, in denen Piero arbeitete.
Hier, in der umbrischen Stadt, trifft der Künstler aus Sansepolcro zum ersten Mal den, der dazu bestimmt sein wird, sein Lehrer und Meister zu werden: Domenico Veneziano.
Zusammen werden sie später an dem Freskenzyklus über Das Leben der Jungfrau in der Kirche Sant’Egidio in Florenz arbeiten..
Das Florenz von Cosimo dem Älteren
Als 1434 Cosimo de’ Medici an die Macht kam, unternahm die Renaissancekunst, die noch weit entfernt war davon, alle ihre Leistungsfähigkeit erprobt zu haben, ihre unsicheren ersten Schritte in Richtung verschiedenster Ergebnisse.
Der spätgotische Geschmack, der in Florenz noch verbreitet war, war im Rest Italiens jedoch der vorherrschende Stil.
Während in der toskanischen Hauptstadt bereits die zweite Generation des gestalterischen Humanismus aktiv war, dauerten anderswo noch die Ausläufer der mittelalterlichen Kultur an.
Ferrara und die Este
1450 befand sich Piero della Francesca auf Ruf von Borso d’Este in Ferrara (Auf dem schönsten Höhepunkt seiner Arbeit wurde er vom Herzog Borso nach Ferrara gerufen). In Wirklichkeit begab sich Piero nicht wegen Borso an den Hof der Este, sondern wegen dessen gebildeten und feinsinnigen Stiefbruders Lionello, der dem Vater Niccolò III. 1441 folgte und wahrscheinlich am 1. Oktober 1450 verstarb.
Der Aufenthalt in Ferrara, der in den Unterlagen nicht belegt ist, gilt jedoch als sicher wegen des Einflusses, den Pieros Kunst auf die Uranfänge der Renaissancekunst in Ferrara ausübte.
Giorgio Vasari bestätigt, dass Piero “im Palast viele Räume ausmalte, die dann vom Herzog Ercole dem Älteren zerstört wurden, um den Palast modisch zu verkleinern”, und “eine Kapelle” in Sant’Agostino – in Wirklichkeit in der Kirche Sant’Andrea, die den Augustinern gehörte – die schon seinerzeit „durch die Feuchtigkeit schlecht erhalten war“.
Rimini und die Malatesta
Zu Begin des fünfzehnten Jahrhunderts erstreckten sich die Besitzungen der Malatesta von Cesena bis Senigallia, und bis 1434 schlossen sie auch Sansepolcro mit ein. Die wirtschaftliche und soziale Bindung der östlichen Toskana zu den Adriagebieten ist in der Mitte des Jahrhunderts noch lebendig und könnte einer der Gründe gewesen sein, die den Ruf Pieros nach Rimini 1451 begünstigten.
Als Sigismondo Malatesta am Ende der vierziger Jahre eine bewusste künstlerische Erneuerung in Richtung Renaissance fördert, beruft er Leon Battista Alberti, Agostino di Duccio und Piero zu sich.
Auf diese Art werden die Vorbedingungen für die Entstehung eklektischer Werke geschaffen, wo die humanistischen Ideale zu noch grundsätzlich gotischen Formen hinzukommen: Das berühmteste Beispiel ist der Tempio Malatestiano, an dem auch Piero arbeitet.
Rom und der päpstliche Hof
Von 1458-59 wird Piero von Pius II. nach Rom gerufen.
In der Ewigen Stadt geschieht das, was den künstlerischen Weg Pieros tiefgreifend prägen wird: die Begegnung mit der Bildhauerkunst und den Architekturformen der Antike, die er endlich aus der Nähe studieren kann. Diese erscheinen einem in eine monumentale und zeitlose Vision von der Geschichte eingeführten Künstler geistesverwandt.
Urbino und der Hof der Montefeltro
In der Konstellation der italienischen Stadtherrschaften nimmt Urbino einen besonderen Platz ein. Als kleiner Ort zwischen den Hügeln des Apenninischen Hinterlandes verwandelt sich Urbino mit der Machtergreifung durch Herzog Federico da Montefeltro sehr bald in eines der blühendsten Zentren der Renaissance und wird sogar zur Hauptstadt der intellektuellen und mathematischen Orientierung der Künste.
Der Herzog war ein sehr gebildeter Mann. Er liebte Theateraufführungen und war auf philosophischem Gebiet auf der Höhe der Zeit. Bekannt ist sein Briefwechsel mit dem Florentiner Neuplatoniker Marsilio Ficino.
Die Anwesenheit Pieros in Urbino ist erstmals 1469 belegt. Zu dieser Zeit wird ihm angetragen, eine Altartafel für die Bruderschaft Corpus Domini fertig zu stellen, für die Paolo Uccello die Predelle ausgeführt hatte.